Rückblick

2026 – Nie wieder! 81 Jahre Mühlviertler Menschenjagd

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen.“

Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Eine Ermutigung

Ein Text der Gedenkveranstaltung zur Mühlviertler Menschenjagd in Wartberg ob der Aist am 2. Februar 2026:

„Die allgemeine politische Situation im In- und Ausland lässt bei vielen die Hoffnungen auf eine solidarischer-werdende Welt schwinden.

Autokratische und andere Regime, und auch schon deren Vorkämpfer, arbeiten mit dem Schüren der Angst, der Spaltung und Isolation.

Sie wollen erreichen, dass die Menschen mutlos werden, sich zurückziehen und vereinzeln, dass sie mundtot werden und nicht mehr klar Stellung für Demokratie, Menschenrecht und Völkerrecht beziehen.

Dagegen möchten wir hier und jetzt ein Zeichen der Verbindung setzen.

Sich miteinander für eine solidarische mitmenschliche Welt einzusetzen gibt Kraft und ermutigt.

Deshalb: Verbinden wir uns bewusst im Kleinen wie im Großen.

Lassen wir uns nicht spalten, auch wenn es in einzelnen, oft nebensächlichen Fragen, unterschiedliche Meinungen gibt. Menschenrecht und Völkerrecht haben in einem demokratischen Miteinander die beste Grundlage.

Der UNO-Hochkommissar Volker Türk, also der höchste Beamte der UNO hat in den letzten Tagen in einem Interview gesagt:

Hoffnung gibt ihm auch der „unglaubliche Enthusiasmus, eine Begeisterung von jungen Menschen auf der ganzen Welt, die sich für (...) Freiheiten einsetzen, die sich für Menschenrechte einsetzen und die das auch als Teil ihrer Identität verstehen.“

Wir sind also nicht allein - nicht hier in Wartberg - und nicht auf der Erdkugel.

Lassen wir uns nicht in den persönlichen Rückzug treiben. Bleiben wir miteinander aktiv.

Mahnmal am Kalvarienberg bei Nacht: drei Glastafeln mit Kreuzen und Häftlingskleidung, davor brennende Kerzen und Grablichter
Mahnmal am Kalvarienberg
Foto: Martin Korczynski

2025 – Nie wieder! 80 Jahre Mühlviertler Menschenjagd

Am 80. Jahrestag der „Mühlviertler Menschenjagd“, dem 2. Februar 2025, folgten 250 Personen der Einladung der Gemeinden der Region Untere Feldaist (RUF) zu einer gemeinsamen Gedenkfeier. Im dicht besetzten Saal des Wartberger Veranstaltungszentrums wurde der Menschen gedacht, die von Soldaten und Zivilpersonen auf der Flucht aus dem damaligen Konzentrationslager Mauthausen getötet worden waren. In den Redebeiträgen kamen die Notwendigkeit von Zivilcourage und des Wissens um die Vergangenheit zur Sprache sowie die Freiheit, sich in schwierigen Situationen nach seinem Gewissen entscheiden zu können.

Regisseur Andreas Gruber wies darauf hin, dass es nicht selbstverständlich sei, in einer offenen Gesellschaft und liberalen Demokratie zu leben.

„Es ist schon ein erschreckender Zynismus, dass es bei den Hass-Parolen, die in Bierzelten gebrüllt werden, vermeintlich um Sicherheit und Stabilität gehen soll. In Wirklichkeit bewirken sie das Gegenteil und beschädigen gezielt das demokratische System, um es letztendlich zu entsorgen und autoritäre Verhältnisse zu etablieren.“

Am Ende seiner Gedenkrede sagte er angesichts der aktuellen politischen Ereignisse:

„Wir müssen jetzt aufstehen, bevor es zu spät ist.“

Andreas Gruber, Regisseur, Gedenkrede am 2. Februar 2025

Schüler:innen der Mittelschule Pregarten stellten mit ihren Collagen, die im Rahmen eines Schulprojekts entstanden waren, die Forderungen: „Nie wieder Krieg“, „Stoppt die Waffenproduktion“, „Schützt die Demokratie“, „Stoppt Ausgrenzung und Verfolgung“, „Schützt unsere Welt“ und „Gleichberechtigung“.

Die Besucher:innen der Veranstaltung erfuhren auch, welchen Beitrag die HTL Perg zu dieser Feier schon im Vorfeld geleistet hatte. Schüler:innen hatten im Rahmen eines Gestaltungs-Wettbewerbs das Plakat zur Gedenkfeier entworfen und diese Webseite programmiert. Auch inhaltlich waren in den vergangenen Monaten die Themen „Nationalsozialismus“ und „Mühlviertler Menschenjagd“ im Unterricht in allen Klassen der HTL behandelt worden.

An der Gedenkfeier, die von Elke Korczynski und Christine Grüll organisiert wurde, nahmen u. a. die Bürgermeister von Hagenberg, Pregarten, Wartberg und Unterweitersdorf teil sowie zahlreiche junge Musiker:innen. Severin Renoldner und Franz Pirklbauer intonierten das „Lied der Lieder“ aus der Mauthausen-Kantate von Mikis Theodorakis.

Der Abschluss der Gedenkfeier mit der Verlesung des Mauthausen Schwurs fand in der Abenddämmerung beim Mahnmal „Mühlviertler Menschenjagd“ auf dem Kalvarienberg statt.

Fotos der Gedenkfeier 2025

  • Plakat der Gedenkfeier „Nie wieder!“ vom 2. Februar 2025 an einer Holzwand
    Plakat
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Gestapelte Exemplare der Publikation auf einem Tisch
    Publikation
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Fünf Personen der HTL Perg, darunter Schüler:innen, vor dem Plakat der Gedenkfeier
    HTL Perg
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Elke Korczynski spricht am Rednerpult, hinter ihr eine Collage der Mittelschule Pregarten
    Elke Korczynski
    Foto: Julian Luger
  • Bürgermeister Dietmar Stegfellner spricht mit Mikrofon vor dem Publikum im Saal
    Bürgermeister Dietmar Stegfellner
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Regisseur Andreas Gruber hält seine Gedenkrede am Rednerpult
    Regisseur Andreas Gruber
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Andreas Gruber am Rednerpult neben einem weiß gedeckten Stehtisch
    Regisseur Andreas Gruber
    Foto: Julian Luger
  • Vier Männer und eine Frau stehen auf der Bühne neben Rednerpult und Harfe
    Bürgermeister
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Ein Schüler der Mittelschule Pregarten stellt im abgedunkelten Saal die Collage „Humanität“ vor
    Projekt MS Pregarten: Präsentation
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Collage mit den Worten „Wir Menschen sind alle gleich – Humanität statt Ignoranz, Toleranz statt Ausgrenzung, Liebe statt Hass“, darunter der Schriftzug „Humanität“
    Projekt MS Pregarten: „Humanität“
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Collage aus Kriegsfotos mit dem Schriftzug „Nie wieder Krieg!“
    Projekt MS Pregarten: „Nie wieder Krieg!“
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Collage „Diktatoren der Welt“ mit dem Schriftzug „Schützt die Demokratie!“
    Projekt MS Pregarten: „Schützt die Demokratie!“
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Collage aus Fotos von Waffen und Militär mit dem Schriftzug „Stoppt die Waffenproduktion!“
    Projekt MS Pregarten: „Stoppt die Waffenproduktion!“
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Collage mit Bildern zur NS-Verfolgung, unter anderem dem Lagertor-Schriftzug „Arbeit macht frei“ und einem Judenstern, darunter „Stoppt Ausgrenzung & Verfolgung“
    Projekt MS Pregarten: „Stoppt Ausgrenzung & Verfolgung“
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Collage zu Klima und Umwelt mit dem Schriftzug „Schützt unsere Welt!“
    Projekt MS Pregarten: „Schützt unsere Welt!“
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Collage mit Fotos zum Thema Gleichberechtigung, darunter der Schriftzug „Gleichberechtigung“
    Projekt MS Pregarten: „Gleichberechtigung“
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Wulf Struck im Gespräch mit zwei Frauen auf der Bühne
    Wulf Struck
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Wulf Struck im Gespräch mit einer Moderatorin am Stehtisch
    Wulf Struck
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Voll besetzter Saal des Veranstaltungszentrums Wartberg ob der Aist
    VAZ Wartberg ob der Aist
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Junge Musiker:innen mit Querflöten, Harfe und Klavier spielen das „Menuett der Freundschaft“
    Menuett der Freundschaft
    Foto: Julian Luger
  • Junge Musiker:innen mit Gitarre, Querflöte, Harfe und Klavier spielen die „Sonate in a-moll“
    Sonate in a-moll
    Foto: Julian Luger
  • Eine Gruppe Jugendlicher singt „Imagine“, begleitet von Gitarre und Cajón
    Imagine
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Zwei Musiker tragen das „Lied der Lieder“ aus der Mauthausen-Kantate von Mikis Theodorakis vor, Gesang und Klavier
    Kantate
    Foto: Julian Luger
  • Wasserflaschen, Gläser und Gebäck auf einem Tisch in der Pause
    Pause
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Besucher:innen gehen in der Dämmerung über die Wiese zum Kalvarienberg
    Weg zum Mahnmal
    Foto: Stina Fleischanderl
  • Besucher:innen am Mahnmal in der Abenddämmerung, im Hintergrund der Ort Wartberg ob der Aist
    Mahnmal
    Foto: Thomas Greifeneder
  • Viele Menschen stehen in der Dämmerung um das Mahnmal vor der Kapelle am Kalvarienberg
    Mahnmal
    Foto: Till Grüll
  • Besucher:innen beim Mahnmal am Abend, im Hintergrund die Kapelle am Kalvarienberg
    Mahnmal
    Foto: Stina Fleischanderl